Archiv für August 2009

Argumentationshilfe gegen NPD-Schulhof-CD

Aufgepasst in den Schulen: die NPD kündigt an, ihre neue Propaganda-CD (oft als „Schulhof-CD“ bezeichnet) mit dem Titel „BRD vs. Deutschland“ an SchülerInnen zu verteilen, um Aufmerksamkeit in den Medien zu erringen und junge Menschen für ihr braunes Gedankengut zu gewinnen. Zwar soll der Schwerpunkt der Verteilaktionen in Sachsen und Thüringen liegen, aber auch in Schleswig-Holstein ist zu befürchten, dass sich die Nazis an den Schulen blicken lassen.
Martin Langebach, Jan Raabe und David Begrich von “Argumente & Kultur gegen Rechts e.V.” haben beschlossen, dass Totschweigen keine geeignete Reaktion sein kann und haben daher eine Handreichung mit Argumenten zusammengestellt, die die braunen Lügen entlarven.

zu finden hier

Jetzt schlägt’s 13…

Mit dem Club 88 (die Zahl 88 steht im gebräuchlichen Code der Naziszene für „Heil Hitler“, abgeleitet von dem H als achten Buchstabe im Alphabet) besteht im Neumünsteraner Stadtteil Gadeland eine ausschließlich von und für Nazis betriebene Lokalität, die in dieser Form wohl einmalig in ganz Deutschland ist. Das schwarz gestrichene Gebäude in der Kummerfelderstraße ist für die Nazis überregional von großer Bedeutung, um sich ungestört und regelmäßig treffen zu können, sei es nach und vor Demonstrationen, zu Konzerten und Liederabenden oder den normalen Öffnungszeiten an jedem Wochenende. Auf einschlägigen Internetseiten, Weblogs und Foren wird bundesweit für den Club 88 Werbung gemacht, sowie zur Unterstützung dieser „nationalen Struktur“ aufgerufen. Jährlich zwischen Ende September und Anfang Oktober feiert der Club 88 sein Bestehen. Zu diesem Anlass kamen regelmäßig zwischen 250 und 500 Nazis nach Neumünster (im Jahre 2002 waren es sogar rund 700 FaschistInnen, die den Club-Geburtstag gleich mit einem ganzen Konzert auf einem Gelände in der Wrangelstraße feierten). Zwar ist der Geburtstag des Club 88 der konkrete Anlass für die geplante antifaschistische Demonstration, jedoch bietet diese Lokalität nicht allein durch ihre alljährlichen “Geburtstagsfeiern” genug Grund für breite Proteste, denn mit dem Club 88 verfügt die Naziszene in Neumünster über eine Struktur, die für alle antifaschistisch und demokratisch gesinnten Menschen eine Bedrohung darstellt. Die Neumünsteraner Naziszene hat mit dem Club 88 seit 13 Jahren einen Treffpunkt, in dem sich ihre Anhänger ungestört und trotzdem “offiziell”, also nicht heimlich oder privat, sondern völlig offen treffen und zum Nationalsozialismus bekennen können. Der Club “Heil Hitler” steht seit 13 Jahren völlig ungestört gegenüber einer Schule mitten in einem Wohngebiet, als wäre dies das Normalste der Welt und als hätte es die in der NS-Zeit verübten Verbrechen nie gegeben. Das Ergebnis aus 13 Jahren Club 88 kann man sich mit einem Blick auf die Verhältnisse heute in Neumünster ansehen. Neumünster verfügt wie kaum eine andere Stadt in Schleswig-Holstein sowohl über eine organisierte Naziszene als auch über eine rechtsextreme “Alltagskultur”. In Neumünster brauchen Nazis nicht erst über Infotische, Aufmärsche oder dergleichen versuchen, Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft zu finden, sie sind längst da, in einigen Sportvereinen, in Kneipen, auf Stadtfesten etc. Dass gleichzeitig öffentlichkeitswirksame Aktionen nicht oder kaum stattfanden, erschwerte es AntifaschistInnen in Neumünster über Jahre, das Thema öffentlich zu problematisieren.
Eines der offensichtlichsten Ergebnisse dieser Akzeptanz von Nazis ist die Kneipe Titanic in der Friedrichstraße, die mittlerweile neben dem Club 88 als zweiter Nazitreffpunkt in Neumünster fungiert. Dies geschieht immer offener, so wurde im vergangenen Jahr der Geburtstag des Club 88 mit rechtsextremen Liedermachern am Abend in die Titanic verlegt. Dies geschah, um den Auflagen, welche die Stadt für den Club-Geburtstag erlassen hatte, kurzfristig zu entgehen, und spricht für die enge Zusammenarbeit von Titanic-Betreibern und Nazis aus dem Club 88. Neben “ungeplanten” Gewalttaten, die ein so großes Potenzial von Rechtsextremen in der Stadt hervorbringt, gab es seit Anfang 2009 ausgehend von der sogenannten “Aktionsgruppe Neumünster” auch eine Reihe organisierter Gewalttaten. Auch ist zu befürchten, dass die NPD, vermutlich unterstützt von der Teils ebenfalls in der NPD organisierten “Aktionsgruppe Neumünster”, einen großangelegten Wahlkampf zur Landtagswahl am 27.9.09 in Neumünster plant, da die NPD hier 2005 ein überdurchschnittlich hohes Wahlergebnis erzielte.
Genügend Gründe also für eine breit angelegte Demonstration am 26.9.09. Wir werden in diesem Jahr, im Unterschied zu den Demonstrationen der beiden letzten Jahre, direkt in Gadeland demonstrieren. Dabei gehen wir auch in diesem Jahr nicht davon aus, den Club-Geburtstag vollständig verhindern zu können. Es ist jedoch mit den beiden Demonstrationen 2007 und 2008 gelungen, den Club-Geburtstag wieder öffentlich zu problematisieren, den Nazis wurde nicht die Innenstadt überlassen und nicht zuletzt durch die Proteste gab es strenge Auflagen für die Nazifeiern. Daran gilt es anzuknüpfen, da es das erklärte Ziel seit der ersten Demonstration ist, irgendwann die Nazifeiern vollständig verhindern zu können, z.B. weil sich mehrere tausend DemonstrantInnen über Stunden in Gadeland aufhalten werden. In diesem Jahr wird es eine ausführliche Kundgebung in Gadeland mit Musikprogramm geben, um der Nazifeier ein Stück antifaschistischer Kultur entgegenzuhalten. Danach wird die Demonstration wieder zurück in die Innenstadt führen. Am Rande des am selben Abend stattfindenden Klosterrock-Festivals wird es wie bereits im Vorjahr einen antifaschistischen Infopunkt geben. Beteiligen Sie sich an der Demonstration gegen den Club-Geburtstag, gegen den Club 88 als Ganzes, gegen Nazigewalt und auch, um einen Tag vor der Landtags- und Bundestagswahl ein deutliches Zeichen gegen die Wahl der NPD zu setzen. Für den Fall, dass der Clubgeburtstag an einem anderen Tag stattfinden sollte, wird es auch dann Proteste geben. Ort und Zeit werden rechtzeitig bekanntgegeben.

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Antifaschistische Lesung in der AJZ Neumünster

„Adressat unbekannt“ am Samstag den 05.09.2009 um 17.00Uhr

Nach dem Ersten Weltkrieg leben sie 19 Jahre lang als enge Freunde mit ihren Familien in Amerika: der amerikanische Jude Max Eisenstein und der Deutsche Martin Schulse. In San Francisco leiten sie gemeinsam eine Galerie, bis Martin 1932 nach Deutschland zurückkehrt und eine Stellung bei der Deutsch-Völkischen Bank und Handelsgesellschaft annimmt. Max und Martin tauschen freundschaftliche Briefe aus. Doch Martins Rückkehr fällt zusammen mit der Machtübertragung an Adolf Hitler, und fortan erlebt Max aus der Ferne die Verwandlung seines Freundes vom liberalen Freidenker zum ergebene Nazi-Mitläufer und Verräter. Als Max‘ Schwester durch Martins Mitschuld zu Tode kommt, entwickelt Max einen heimtückischen Racheplan. Er schreibt Martin unklare Nachrichten, die auf Untergrundaktivitäten hinweisen. Der letzte Brief vom 3. März 1934 kommt zurück – „Adressat unbekannt“. Ausgehend von realen Briefen verfasste die New Yorker Werbetexterin Kathrine Kressmann Taylor einen fiktiven Briefwechsel, der eindringlich das zersetzende Gift nationalistischer und rassistischer Ressentiments vorführt. Er erschien zuerst 1938 im „Story Magazine“. Wegen der enormen Resonanz folgten ein Nachdruck in „Reader’s Digest“ und schließlich eine Buchausgabe mit dem Titel „Adressat unbekannt“.
Am 5.9 findet in der AJZ-Neumünster eine Veranstaltung des Steinburger Bündnis gegen Faschismus mit Unterstützung des Vereins Donna Doria statt. Bereits in Itzehoe lasen die zwei Schülerinnen Jana (17) und Franziska (16) das Werk vor. Die Leserinnen wollen mit dieser Veranstaltung darauf aufmerksam machen, dass Faschismus nicht eine Sache von wenigen Tätern war, sondern eine breite gesellschaftliche Akzeptanz hatte. Zur der Lesung „Adressat Unbekannt“ und anschließender Diskussionsrunde lädt die AJZ-Neumünster alle InteressentInnen am Samstag den 5.9.09 um 17.00 Uhr herzlich ein. Nazis haben keinen Zutritt zu der Veranstaltung!