Archiv für Oktober 2009

Courier-Artikel zum nachgeholten Club-Geburtstag

Party im Neonazi-Treff war schnell vorbei

Rechte Szene feierte im so genannten Club 88 Geburtstag / Großaufgebot der Polizei vor Ort / Keine Gegendemonstration
Neumünster/mor

– Schneller als geplant war am Wochenende eine Feier im Neonazi-Treff an der Kummerfelder Straße zu Ende. Rund 100 Anhänger der rechten Szenen waren am Sonnabend gegen 19 Uhr im so genannten Club 88 zusammen gekommen, um die Gründung der winzigen Gaststätte vor 13 Jahren zu feiern. Das teilte die Polizei auf Nachfrage mit.

Die Polizei war bereits am frühen Abend mit einem Großaufgebot vor Ort, unter anderem war eine Einsatzhundertschaft aus Eutin hinzugezogen worden. Vorsorglich sperrten die Beamten kurzfristig die Segeberger Straße. Wenig später wurde die Straße jedoch wieder freigegeben, stattdessen beschränkte die Polizei die Sperrung auf die Kummerfelder Straße direkt vor dem Ort des Geschehens zwischen der Segeberger Straße und der Norderstraße. Weil sich aus Gründen des Brandschutzes nur 70 Gäste in dem laubenähnlichen Gebäude aufhalten dürfen, verschaffte sich die Polizei einen Überblick über die Größenordnung der Party.

Doch viele Gäste hielten sich vor der Kneipe auf, so dass die Veranstaltung vorerst weitergehen durfte. Allerdings bekam mancher, der im Freien weiter feierte, schnell einen Platzverweis. Gegen 20.30 Uhr reisten die ersten Neonazis, die aus dem gesamtem Norddeutschen Raum nach Neumünster gekommen waren, wieder ab.

Zu einer Gegendemonstration kam es an diesem Abend nicht.“

Quelle: Holsteinischer Courier vom 27. Oktober 2009

Zusammenfassung der Naziumtriebe vom 24.10.09

Nun auch von uns eine kurze Zusammenfassung der Naziereignisse in Neumünster von Samstag, dem 24.10.09

Wie vorher schon durch den Holsteinischen Courier bekannt gegeben handelte es sich tatsächlich um einen nachgeholten Club 88-Geburtstag. Dieser fiel mit ca. 120 überwiegend aus Norddeutschlands kommenden Nazis eher „klein“ aus. Allerdings wurde auch dieses Jahr die Titanic als zweite Anlaufstelle der Nazis genutzt.

Beim Club:
Beim Club 88 war ein massives Polizeiaufgebot. Der Hinterhof des Clubs wurde ausgeleuchtet und spätestens ab ca. 22:00Uhr wurden neuankommende Nazis von der Polizei abgewiesen und es wurde kein reinkommen mehr erlaubt. Laut des Holsteinischen-Courier ließ die Polizei nach erreichen der, aus Brandschutzgründen auf 70 Gästen beschränkten Teilnehmerzahl, niemand mehr in den Club 88 und erteilte davor „weiterfeiernden“ Nazis Platzverweise. Über den Abend verteilt hielten sich ca. 50-70 Nazis im Club auf, bei denen aber keine wirkliche Partystimmung aufkam und die überwiegend „dumm aus der Wäsche guckten“.
Bei den Nazis handelte es sich um das übliche Säuferpublikum bis hin zum AN- Spektrum, allerdings schien ab ca. 23 Uhr die Lust am Club zu feiern endgültig vergangen zu sein. Kurz nach Mitternacht war der Club bereits geschlossen.

Titanic:
Wem am Club das „Feiern unter Nazis“ verboten wurde, fand sich in der Titanic wieder. Somit trafen gegen 20:30 Uhr fast zeitgleich 30- 40 Nazis auf dem Postparkplatz, nähe Titanic ein. Ca. 20- 30 waren schon vor Ort um ihresgleichen in Empfang zu nehmen. Macht 50- 70 Nazis die sich neben dem Club auch noch in der Titanic aufhielten. Hier war die Polizeipräsenz fast gar nicht vorhanden. Sporadisch fuhr mal ein Streifenwagen vorbei, die allerdings konnten die Nazis ganz und gar nicht davon abhalten Migranten aus dem Viertel zu bedrängen und ausländerfeindliche Parolen zu brüllen.
Ab ca. 23 Uhr war aber überraschenderweise das Feiern in der Titanic vorbei und das Publikum beschränkte sich wieder auf „normales Abendpublikum“, welches meist aus nazifreundlichen Kampftrinkern bestand. Ab 1 Uhr war dann auch die Titanic geschlossen.
Einige wenige, die sich trotz des starken Polizeiaufkommens beim Club und der schlechten Stimmung in der Titanic dennoch den Abend nicht versauen lassen wollten, suchten in Neumünster andere Lokalitäten auf. Dabei soll es später in der Nacht noch zu Drohungen und Übergriffen gegen PassantInnen gekommen sein, die aber auch für einige Nazis im Polizeigewahrsam bzw. zur Behandlung im Krankenhaus endete.

Fazit: Auch wenn von antifaschistischer Seite an diesem Wochenende aufgrund der Kürze der Zeit keine Gegenaktivitäten mehr stattfanden, gehören die Zeiten in denen hunderte Nazis ungestört bis in die Morgenstunden den Club88-Geburtstag feiern, der Vergangenheit an. Dass ein weiteres mal die Titanic als Ausweichort für die Clubfeiern genutzt wurde, wenn auch in diesem Jahr offenbar ungeplant als „Notlösung“, stellt aber ein weiteres Problem dar, und eine zunehmende Gefährdung für AnwohnerInnen in der Friedrichstraße.

Ob und was nun noch von Seiten der Nazis als Antwort auf die städtischen Auflagen, die massive Polizeipräsenz zur Umsetzung dieser Auflagen und verstärkte antifaschistische Proteste in letzter Zeit zu erwarten ist, ist unklar.
In der Vergangenheit war es jedoch bereits mehrfach so, dass die Nazis, sobald sie eine Gefährdung ihrer Lokalität – sei es durch antifaschistische Proteste und/oder staatliche Massnahmen – sahen, relativ schnell mit einer „Protestdemonstration“ reagierten.

„Polenschlüssel“ aus dem Club 88

Gelesen auf der Seite von Blick nach Rechts, bnr.de:

Gewerbe im ‚Club 88′

Neumünster – Seit nunmehr 13 Jahren existiert der Neonazi-Treffpunkt ‚Club 88′ im schleswig-holsteinischen Neumünster, betrieben von der unweit wohnenden Christiane Dolscheid.

Seit kurzer Zeit hat dort offenbar aber noch ein Gewerbe Einzug gehalten. Wenn man einem Interneteintrag von Alexander Hardt Glauben schenken darf, ist dessen Büroanschrift identisch mit dem ‚Club 88′. Hardt bietet als Dienstleistung so genannte Polenschlüssel jeglicher Art an. Bei Wikipedia heißt es unter dem Begriff: ‚Polenschlüssel ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Art Generalschlüssel, der von Autodieben benutzt wird, um ein Kraftfahrzeug zu entwenden.‘ Hardt, der in Neustadt/Holstein als Neonazi in Erscheinung trat und gegen den deshalb auch Polizei und Justiz bereits aktiv waren, hat inzwischen seine Zelte in Neumünster aufgeschlagen. Unter anderem ist er auch in der Nähe des gewaltbereiten früheren NPD-Landesvorsitzenden Peter Borchert anzutreffen und teilt mit diesem die neue Leidenschaft, sich bei der berüchtigten Rockerclique ‚Bandidos‘ zu engagieren. (hf)“

genaue Quelle: http://www.bnr.de/content/gewerbe-im-ae-club-88-ae

Inzwischen hat auch der Holsteinische Courier darüber berichtet:

Dubiose Geschäfte im Internet

Ein bekannter Rechtsradikaler, der zu den Bandidos gehören soll, vertreibt im Internet ein beliebtes Einbruchwerkzeug. Der Polizei sind die Hände gebunden.

Neumünster– Das Angebot aus dem Internet macht Angst. Seit geraumer Zeit bietet ein polizeibekannter Neonazi, der mittlerweile Mitglied der Rockergruppe Bandidos sein soll, so genannte Polenschlüssel an. Als Firmenadresse nennt er eine Straße in Neumünster.

Unter Polenschlüsseln verstehen Ermittler Generalschlüssel, die von Straftätern gern benutzt werden – meist von Autodieben. Doch der Mann, der zuvor im Lübecker Raum lebte, hat weit mehr im Angebot als Werkzeug, um Autos zu knacken: Auch „Zubehör für Zylinderschlösser und Haustüren“ bietet er an. Mit dem „Schlagschlüssel-Set Modell Deutschland“, so verspricht der Geschäftsführer, „lassen sich 95 Prozent der Türen in Deutschland öffnen“. Und es heißt weiter: „Sie werden erstaunt sein, wie schnell sich – natürlich mit etwas Übung – die Arbeit erledigen lässt.“

Immer wieder gibt der Verkäufer, je nach Modell, Tipps zur Benutzung. So heißt es beim Polenschlüssel, Modell VAG: „Der Schlüssel wird, wie ein normaler Schlüssel auch, in das Schloss gesteckt und mittels Hebelwerkzeug (SW 10) gedreht. Je nachdem wie viele Scheiben in dem Schloss überwunden werden müssen, ist mehr oder weniger Kraft nötig, allerdings verliert, egal wie, beim Kampf Polenschlüssel vs. Schloss immer das Schloss. In der Regel wird das Schloss durch den Einsatz des Polenschlüssels nicht beschädigt.“ Für besonders Interessierte gibt es auch Videos zum Anklicken.

Mehrere besorgte Bürger haben die Kriminalpolizei bereits auf die dubiose Internet-Seite aufmerksam gemacht, doch den Ermittlern sind die Hände gebunden. „Die Kripo kennt die Seite und hat bereits ermittelt“, erklärte Pressesprecher Sönke Hinrichs. Doch den Polenschlüssel, den der Betreiber der Seite ganz neutral „ein Werkzeug“ nennt, kann man natürlich auch legal benutzen. „Es ist nicht verboten, einen Universalschlüssel zu bauen. Der Verkäufer verstößt nicht einmal gegen das Urheberrecht“, so Hinrichs. „Es ist wie mit einem gewöhnlichen Brecheisen: Das gibt es auch im Baumarkt.“ Allerdings, so der Polizeisprecher, sei die Sache schon unbefriedigend für die Polizei.

Denn ob sich tatsächlich nur Schlüsseldienste oder schusselige Menschen, die gerade ihren Schlüssel verbummelt haben, die zum Teil sehr kostspieligen mehrteiligen Sets leisten, ist fragwürdig. Der Verkäufer wirbt auf jeden Fall mit seiner Diskretion und betont nebenbei, dass eine Bestellung bei ihm „deutsche Arbeitsplätze sichern“ würde.

Dörte Moritzen“

Quelle: Holsteinischer Courier vom 28. Oktober 2009

2. UPDATE: Situation weiterhin unklar

Noch ist nicht klar, was heute abend los sein wird. Eins steht fest: Es besteht Auskunftspflicht über angemeldete (politische) Veranstaltungen, weshalb das Ordnungsamt auch über von der NPD oder anderen Nazis angemeldete Konzerte etc. auf Nachfrage informieren muss. Die Information, dass eine Anmeldung für eine Musikveranstaltung mit KategorieC in Wasbek-Bullenbek vorgelegen hat, bevor sie zurückgezogen wurde, ist noch einmal bestätigt worden. Die Band schreibt nun jedoch auf ihrer Homepage, dass ein solches Konzert nie geplant war und schließt mit der Feststellung „Antifa Halts Maul [sic!]“, was noch einmal ihre politische Ausrichtung unterstreichen dürfte. Diese Sachlage lässt viel Raum für Spekulationen, wir wollen uns an dieser Stelle aber darauf beschränken, noch einmal darauf hinzuweisen, dass weiterhin Vorsicht geboten ist.

UPDATE: Konzertanmeldung wegen der Auflagen zurückgezogen

Die VeranstalterInnen haben nun die Anmeldung für das Kategorie C/Hungrige Wölfe-Konzert an diesem Samstag in Wasbek-Bullenbek zurückgezogen. Zuvor hatte die Stadt Neumünster, die offensichtlich über den politischen Hintergrund der Band informiert worden waren, die Veranstaltung mit sehr strengen Auflagen belegt, auf die sich die Neonazis nicht einlassen wollten.
Dass das Konzert restlos ausfällt, ist eher unwahrscheinlich, da schon ein Kartenvorverkauf stattgefunden hat und die Neonazis nach dem ausgefallenen Club-Geburtstag schon wieder ein Großevent absagen müssten. Haltet daher Augen und Ohren offen, in Neumünster und Umgebung, aber auch in anderen Städten Schleswig-Holsteins.