Archiv für Januar 2012

Emmi Burmeister verstorben

Emmi Burmeister war das älteste Mitglied der VVN-BdA in Schleswig-Holstein, nun starb sie nach kurzer, schwerer Krankheit im 97. Lebensjahr. Anlässlich dieses traurigen Ereignisses veröffentlichen wir hier einen Brief, den sie am 24.04.2007 anlässlich der Stolperstein-Verlegung für Rudolf Timm verfasst hat.

„Ich bin jetzt 93 Jahre alt und kann leider nicht mehr von Niendorf, wo ich wohne, hierher in meine Heimatstadt Neumünster kommen, wenn für Rudolf Timm, den ich sehr gut kannte, endlich auch ein Stolperstein gelegt wird. Es ist mir ein Bedürfnis und ich bin es Rudolf schuldig , dass ich meine Erinnerung an ihn aufschreibe und jemanden bitte. dass sie an meiner Stelle verlesen wird.

Rudolf war Kommunist und ein großer Freund der Jugend. Ich selbst war damals 16/17jährig dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD) beigetreten. Bei uns Jugendlichen war Rudolf sehr beliebt. Er war kein großer Redner, aber wir verstanden ihn. Aus ihm sprach eine große innere Überzeugung, die wir mit ihm teilten, dass die Nazis schlecht für unser Land waren.

Wie Recht er hatte, denn die schlimmsten Auswirkungen dieses verbrecherischen Systems hatte er noch nicht einmal selbst erlebt. Er wurde schon 1934 im Gefängnis am Haart von den Nazis heimtückisch ermordet. Sein Mord wurde als Selbstmord im „Holsteinischen Courier“ hingestellt.
Nur einige Wochen später wurde Christian Heuck, damals gewählter Reichstagsabgeordneter der KPD auf die gleiche Weise im Stadtgefängnis in der Boostedter Straße ermordet.

Nach dem Mord an Rudolf begann in Neumünster eine große Verhaftungswelle. Zu den Verhafteten gehörte auch mein Vater und ich selbst kurz danach. Wir und mit uns die vielen anderen Jugendfreunde und Genossen waren zunächst in Neumünster inhaftiert, wurden aber dann an andere Haftanstalten und Lager aufgeteilt. Vielen kamen ins Lager Kuhlen bei Rickling.

Mein Vater kam ins berüchtigte Lager Papenburg und blieb dort zwei Jahre. Ich blieb in Neumünster und wurde dann wegen einer schweren Erkrankung meiner Mutter und auf Fürsprache eines Pastors nach 6 Monaten entlassen. Das war eine schwere Zeit damals. Meine Mutter ist aus Kummer über die Inhaftierung ihrer Tochter und ihres Mannes und wegen der andauernden Verhöre und Hausdurchsuchungen durch die politische Polizei so schwer erkrankt, dass sie dem Tode nahe war.

Mir ist alles, was damals geschah so gegenwärtig als wäre es erst gestern gewesen. Nun bin ich 93 Jahre alt und höre und lese fast täglich von Übergriffen der Neonazis auf Menschen mit anderer Hautfarbe und anderer Länder, von fast wöchentlichen Aufmärschen in deutschen Städten, vom Naziclub 88 in Neumünster, meiner Heimatstadt. Sogar in den Parlamenten sind sie schon wieder vertreten.

Dass es soweit wieder kommen konnte, bereitet mir auf meine alten Tage große Sorgen. Sollen meine Enkel und Urenkel, von denen ich mehrere habe, dies alles noch einmal erleben müssen? Noch haben wir die Möglichkeit uns gegen das weitere Erstarken der Nazis zu wehren. Meine Bitte an al1e die zuhören: Lasst es nicht wieder soweit kommen. Erzählt allen, wie das war damals, auch wenn wir. die das erlebt haben, es nicht mehr tun können.

Die Wahrheit darf nicht sterben.

NMS: Fensterscheiben des LINKEN-Büros eingeworfen

Die LINKE berichtet, in der Nacht von Sonntag, den 29.01.2012 auf Montag, den 30.01.2012 sei auf ihr Büro in Neumünster ein Anschlag verübt worden. Bisher unbekannte Täter_innen hätten die Fensterscheibe mit einem Pflasterstein eingeworfen. Ein Sprecher der Partei vermutet einen Zusammenhang mit den angekündigten Aktivitäten seiner Partei gegen den geplanten NPD-Aufmarsch am 01. Mai und ruft in dem Zusammenhang dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen, sondern nun erst recht dazu zu sorgen, dass der 01. Mai nazifrei bleibe.

28.01.12: NPD-Infotisch in Pinneberg?

Bei Indymedia wird für den 28.10.12 ab 10 Uhr ein NPD-Infotisch in der Fußgängerzone in Pinneberg angekündigt. Des weiteren folgt der Aufruf „Machen wir der NPD den Wahlkampf zur Hölle! NPD-Wahlkampf sabotieren!“ Wir warten noch auf die Bestätigung von http://antifapinneberg.blogsport.de…

27.01.12: Bündnis ruft auf zur Kranzniederlegung am Holocaust-Gedenktag

Wir dokumentieren einen Aufruf des Bündnisses gegen Rechts Neumünster zum „Holocaust-Gedenktag“ am 27.01.2012:

„Kommt zur Kranzniederlegung am Freitag, 27. Januar 2012,
um 16:00 Uhr, an der Gedenktafel am Rathaus Neumünster!
Zeigt eure Abscheu gegenüber den Verbrechen der Nazis!

Im Bündnis gegen Rechts (BgR) arbeiten seit mehr als 12 Jahren antifaschistisch eingestellte Menschen aus unterschiedlichen Gruppen und Einrichtungen zusammenarbeiten, um dem Widererstarken rechtsextremistischer Ideologie und der Neonazis in Neumünster entgegenzutreten. Es begrüßt deshalb die Entscheidung der Stadtverwaltung, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus vor der Mahntafel „1933“ am Rathaus einen Kranz niederzulegen. Das Bündnis ruft die Menschen in Neumünster und Umgebung auf, an dieser Gedenkveranstaltung teilzunehmen.

„Wir freuen uns, dass Dr. Tauras die Initiative des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie aufgegriffen hat und am Nachmittag des 27.01.2012 um 16:00 Uhr eine Ansprache halten wird, um der Opfer des Naziregimes zu gedenken und dabei die Opfer der heutigen Naziterroristen mit einzuschließen.“

Mit dieser Gedenkveranstaltung, die in Neumünster erstmalig stattfindet, setzt der Oberbürgermeister das richtige Zeichen gegen die Holocaust-Leugner des Club 88, gegen den geplanten Aufmarsch der Neonazis am 01. Mai 2012, aber auch gegen das Vergessen und Verdrängen der beispiellosen Verbrechen, die in den Jahren des Naziregimes in und durch Deutschland geschehen sind. Auch in Neumünster wurden Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialdemokraten, bekennende Christen, Juden, Behinderte und andere verschleppt, gequält und in Zuchthäusern und KZs ermordet. Auch aus Neumünster wurden tausende junge Männer in einen verbrecherischen Krieg geschickt, der sie zu Mördern und oft gleichzeitig zu Opfern werden ließ. Ihnen allen gilt unser Gedenken.

Es gilt aber auch die Mahnung:
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. Wehret den Anfängen!“

Es gibt in Neumünster mit dem Club 88 einen Treffpunkt von Neonazis, der bundesweite oder zumindest norddeutsche Ausstrahlung hat, und in dem – wie wir von besorgten Eltern wissen- regelmäßig Schulungen mit Jugendlichen durchgeführt werden.
Dieser Schandfleck muss endlich weg, fordert das Bündnis und eröffnete zum Neujahrsempfang mit einem Offenen Brief an Stadtverwaltung und Ratsversammlung erneut die Diskussion um die in Neumünster vorhandenen Nazistrukturen Club 88, Titanic und Athletik-Klub Ultra. Durch die provokante Anmeldung einer 01.Mai-Demonstration der neofaschistischen NPD in Neumünster wurde die begonnene Diskussion forciert, und es wird spannend, mit welchen Argumenten und Vorschlägen sich die verschiedenen Akteure am Runden Tisch der Stadt zu Wort melden werden, wenn dieser am 16. Februar erneut zusammentreten wird.

Wir erwarten allerdings, dass sich zuvor bereits die Ratsversammlung auf die Verabschiedung einer „Resolution gegen Rechtsextremismus“ einigen kann, die von der SPD-Ratsfraktion eingebracht werden wird, und zwar in der für dieses Thema gebotenen Einmütigkeit: „Für ein demokratisches und weltoffenes Neumünster – gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung“ (aus dem SPD-Antrag).

Für das Bündnis gegen Rechts Neumünster: Dr. Christof Ostheimer, c/o ver.di-Bezirk Südholstein, Kaiserstraße 11-19, 24534 Neumünster, Telefon: 04321-707 65 – 1″

Bad Segeberg: HaK soll geräumt werden – Bürgerbegehren zulässig

In Kürze: Das Hotel am Kalkberg in Bad Segeberg ist seit über 10 Jahren ein Ort an dem selbstbestimmte Alternative – Jugendkultur gelebt wird. Gericht ordnet am 5.1.2012 die Räumung an, Kommunalaufsicht erklärt Bürgerbegehren für zulässig. Solidarisiert euch mit dem Hotel am Kalkberg! Infos unter http://hak.blogsport.de/