Archiv für Dezember 2017

Weg mit Agnes Miegel – her mit dem Anni-Wadle-Weg!

Antifaschistisches Flyern am Rathaus am Dienstag, den 12.12.2017 um 16:30.

Seit 1969 trägt eine kleine Straße in Brachenfeld den Namen der rassistischen Dichterin Agnes Miegel, die auch als „Mutter Ostpreußens“ bezeichnet wird. Miegel war eine glühende Anhängerin Hitlers – sie ist noch spät in die NSDAP eingetreten, wobei sie sich sehr geschämt hat, nicht von Anfang an dabei gewesen zu sein. In ihrem Gedicht „An den Führer“ schrieb Agnes Miegel 1938: „Laß in deine Hand, Führer, uns vor aller Welt bekennen. Du und wir, nie mehr zu trennen stehen ein für unser deutsches Land.“ Auch nach 1945 glaubte sie weiterhin an den Nationalsozialismus, „von dem sie sich später nicht wie so viele andere BRD-Karrieristen offiziell distanzierte“, wie jüngst die Neonazigruppierung „III. Weg“ lobte. Obwohl sie trotz alledem nach dem Krieg noch Preise ohne Ende erhielt, hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden: Viele Städte haben Agnes Miegels Namen schlichtweg vom Stadtplan gestrichen, Neumünster gehörte allerdings bisher nicht dazu. Wir sagen: Ruhm und Ehre für Nazis? Nicht mit uns!

Ratsherr Jonny Griese hat vorgeschlagen, die Straße in „Anni-Wadle-Weg“ umzubenennen. Anni Wadle war während der NS-Zeit zunächst in Hamburg als Widerstandskämpferin aktiv, saß mehrfach im Gefängnis, wurde von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Sie hat lebenslang unter den Folgen gelitten. Trotzdem hat sie niemanden verraten und wurde nach dr Verbüßung ihrer Haftstrafe weiter im KZ eingesperrt. Auch nach dem Krieg, als sie dann in Einfeld und Kiel lebte, hat sie sich stets gegen Faschismus, Rassismus und Krieg engagiert. Aufgrund dessen kam die Idee auf, den bisherigen Agnes-Miegel-Weg nach Anni Wadle zu benennen. Teile der Neumünsteraner CDU lehnten diesen Vorschlag jedoch zunächst unter Bezugnahme auf Anni Wadles Mitgliedschaft in der kriminalisierten KPD ab – ähnliche Reaktionen gab es auch in Kiel, wo dann aber der Leiter des Stadtarchivs, der im Rahmen der Diskussion um eine Einschätzung gebeten wurde, Anni Wadle „einen Mut, den der bei weitem größte Teil der noch demokratisch gesonnenen Kreise damals nicht aufgebracht hat“, bescheinigte. Seit November 2016 gibt es daher nun in Kiel-Gaarden den Anni-Wadle-Weg. Für ein klares Zeichen für Zivilcourage und gegen extrem rechte Tendenzen in Neumünster! Her mit dem Anni-Wadle-Weg!

Aufrufer*innen: Antifaschistische Aktion Neumünster – Bündnis gegen Rechts Neumünster – Verein für Toleranz und Zivilcourage

[NMS] Spontandemo gg Polizeigewalt und in Erinnerung an Alexandros


Am 6. Dezember 2008 wurde der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos in Athen von einem Polizisten erschossen. Jedes Jahr wird in Griechenland an seinem Todestag gegen Polizeiwillkür demonstriert. Auch wir haben uns dieses Jahr spontan entschlossen, am 6.12. den Protest in Neumünster auf die Straße zu tragen und den Opfern von Polizeigewalt weltweit unsere Solidarität auszusprechen – denn auch in Deutschland werden Menschen von der Polizei ermordet, wie das derzeit viel diskutierte Beispiel Oury Jalloh zeigt. Darüber hinaus wollen wir aber auch darauf hinweisen, dass es gerade in den letzten Monaten zunehmend zu Polizeigewalt kommt: Im Rahmen des G20-Gipfels berichteten viele Menschen, auch unbeteiligte Passant*innen, von Tritten und Schlägen durch Polizeikräfte, bei Protesten gegen ein RWE-Kohletagebau wurde eine Aktivistin von einem Polizeipferd niedergetrampelt, bei der friedlichen Blockade des AfD-Bundesparteitags in Hannover prügelte ein Polizist wie von Sinnen auf einen der Blockierer ein und brach ihm ein Bein. Dennoch werden Verfahren gegen Polizeibeamte überdurchschnittlich oft eingestellt, ebenso wie jüngst die Ermittlungen zum Tod Oury Jallohs in einer Polizeizelle in Dessau im Jahre 2005… Aus diesem Anlass zogen heute etwa 10 Menschen durch die Innenstadt, um zu fragen: „Die Polizei beschützt uns – aber wer beschützt uns vor den Beschützern?“ Mit einem Alexandros-Gedenktransparent, Rauchfackeln, bengalischen Lichtern sowie Sprechchören wie „Das war kein Unfall, das war Mord – Solidarität an jedem Ort“ zogen sie am gut besuchten Weihnachtsmarkt vorbei, um auf das Thema aufmerksam zu machen.