06.01.: Erstmals massive Nazischmierereien in der Innenstadt von NMS. Unter anderem Zeichen der Wiking-Jugend und der FAP. Betroffen ist auch der Infoladen Omega, bei dem auch eine Scheibe eingeschmissen wird.
Zum Europawahlkampf wird nicht nur in NMS jeder Haushalt mit Briefwurfsendungen der Deutschen Volks Union (DVU) überschwemmt. Um dem etwas entgegenzusetzen wird von der Stadt-Antifa ein Flugblatt geschrieben und auch an fast alle Haushalte Neumünsters verteilt (ca. 20.000 Stück).
18.05.: Ohne große juristische Auseinandersetzung stellt der SPD Bürgermeister Pröpper der DVU die Holstenhalle für eine Wahlveranstaltung im Rahmen des Europawahlkampfes zur Verfugung. Bei anderen Veranstaltungen des Wahlkampfes musste sich die DVU durch alle juristischen Instanzen klagen, um Räumlichkeiten zu erlangen.
Ein breites Bündnis von Autonomen bis DGB organisiert eine Demonstration, an der sich ca. 3000 Menschen beteiligen; dem Aufruf zur direkten Blockadeaktion vor den Holstenhallen folgen 1000 Menschen, wahrend der DGB in gebührendem Abstand ein Volksfest mit Wahlkampfcharakter für die SPD veranstaltet. Trotz massiven Polizeiaufgebotes konnte die Blockade nicht ganz verhindert werden und viele Nazis mussten wieder umdrehen (von den erwarteten 600 Nazis kamen nur 200 durch).
01.07.: Es treffen sich ca. 30 Nazi-Skinheads (davon 10 weibliche) aus NMS, dem Hamburger und Segeberger Raum in der Kneipe „Oller Kotten“, die schon früher als Treffpunkt von Nazi-Skinheads aufgefallen war. Da diese große Anzahl zur damaligen Zeit ungewöhnlich hoch war, können schnell über 60 AntifaschistInnen in Neumünster mobilisiert werden. Die Polizei griff nicht ein, als die Nazis auf ihrem Weg zur Kneipe auf türkische Jugendliche einprügelten, sondern erst zum Schutz der Nazis, als diese von den 60 Menschen aus der Stadt vertrieben werden sollten. Aufgrund der verschiedenen Aufnäher auf Jacken und Aufklebern auf Autos, dem abgewandelten Hitlergruß (mit drei abgespreizten Fingern) und den im Bahnhof hinterlassenen Schmierereien und Aufklebern lassen sich die Nazis dem organisierten Spektrum um die FAP, der Deutsche Frauen Front (DFF) und der Nationalen Front (NF) zuordnen.
Dies ist interessant, da in diesem Zeitraum ein erbitterter Streit zwischen den verschiedenen Fraktionen der Nazis wegen der Homosexualität Michael Kühnens (vgl. Organisationsform der militanten Nazis) herrschte. Möglicherweise war dieses Treffen entscheidend für die Entwicklung der Nazi-Szene in NMS, denn:
1) nimmt es die integrierende Funktion des Club 88 vorweg und
2) nach diesen Treffen verstärkt sich das öffentliche Auftreten der Nazis gerade in Gadeland
Ab Sommer verstärkt Naziparolen in Gadeland, die zunächst noch heimlich in der Nacht von Menschen entfernt werden.
24.10.: Öffentliche Übermal-Aktion an der Gadeländer Schule mit Beteiligung von Anwohnerlnnen aus Gadeland. Das öffentliche Auftreten gegen die Nazis in Gadeland führte zu einer Eskalation der Gewalt, wie sie bisher nicht in Neumünster bekannt war: Innerhalb eines halben Jahres kam es zu diversen Überfallen und Körperverletzungen, z.T. in Form von Hetzjagden mit dem Auto, Verfolgungen mit Pittbullterriern und Überfallen von Partys in Gadeland (bei denen zum ersten Mal Henry Markwirth (siehe Foto) und Tim Bartling beteiligt waren.
Hakenkreuz- und SS- Schmierereien am Elternhaus eines Antifaschisten, der in direkter Nachbarschaft zu Tim Bartling wohnte und anschließende Zerstörung einer von den Eltern aufgestellten Mahntafel zu dem Angriff.